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Digitale Koordination zur Stärkung kommunaler Versorgungsstrukturen

Demografische Veränderungen stellen Kommunen jeder Größe in Deutschland und anderen alternden Gesellschaften vor eine drohende Pflegekrise. Integrative, sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen, die die Stärken von Ehrenamtlichen und gewerblichen Dienstleistern verbinden, sind unerlässlich, um der wachsenden Nachfrage nach Pflegeleistungen gerecht zu werden und die finanzielle und emotionale Belastung pflegender Angehöriger zu reduzieren. Damit diese Versorgungsstrukturen wirksam sind, müssen sie effizient koordiniert werden, um die Versorgungskapazitäten zu maximieren. Ein zentrales digitales Koordinationswerkzeug kann Hilfebedürftige transparent mit Versorgungsanbietern und Ehrenamtlichen verbinden. Die Sicherstellung seiner Akzeptanz und nahtlosen Integration in bestehende kommunale Beratungs- und Koordinationsprozesse erfordert jedoch eine sorgfältige Berücksichtigung der Bedürfnisse der verschiedenen an der Versorgungsgemeinschaft beteiligten Akteure. Wir haben einen nutzerzentrierten Designansatz gewählt, um die bestehende Helferportal-Anwendung weiterzuentwickeln. Als ersten Schritt in diesem partizipativen Forschungsprojekt konzentrierten wir uns auf die Identifikation von Digitalisierungspotenzialen in kommunalen Versorgungsprozessen sowie auf die Definition von Softwareanforderungen und Schlüsselfunktionen.

Methode: Wir führten halbstrukturierte Interviews mit 23 Pflegeberatern, kommunalen Koordinatoren und Sozialdienstleistern in einer Kreisstadt in Deutschland durch, um einen detaillierten Überblick über kommunale Versorgungsprozesse zu gewinnen und Digitalisierungspotenziale zu identifizieren. Audioaufnahmen der Interviews wurden wörtlich transkribiert und in MAXQDA mittels strukturierter qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.

Ergebnisse: Die Teilnehmenden sahen erhebliches Potenzial in einer Softwareanwendung zur Koordination integrierter Versorgungsstrukturen unter Einbindung von Ehrenamtlichen. Ein zentrales digitales Buchungs- und Koordinationssystem zur Terminplanung oder Vereinbarung wiederkehrender Leistungen wurde als wesentlich für ein verbessertes sektorenübergreifendes Versorgungsmanagement und zur Reduzierung telefonbasierter Kommunikation im Arbeitsalltag angesehen. Eine datenschutzkonforme Kommunikationsplattform wurde ebenfalls empfohlen, um die spontane Weitergabe von Unterstützungsbedarfen an Ehrenamtliche und Fachkräfte zu erleichtern. Weitere Wünsche umfassten die Digitalisierung von Dokumenten zur Erfassung der Beratungsarbeit sowie zur Vereinfachung von Abrechnungsprozessen. Als Hindernisse für die Akzeptanz wurden die Notwendigkeit des Vertrauensaufbaus durch persönliche Interaktionen sowie hohe Anforderungen an die Benutzerfreundlichkeit genannt, was die Bedeutung eines partizipativen Ansatzes bei der Evaluierung der künftigen Anwendung unterstreicht. Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial der Digitalisierung zur Stärkung von Versorgungsstrukturen und zur Abmilderung der drohenden Pflegekrise durch den Aufbau stärkerer, besser vernetzter Gemeinschaften.

Autoren: Tim Kuball (Technische Universität Chemnitz), Thomas Oeben (Helferportal GmbH & Co. KG), Luise Look (Technische Universität Chemnitz), Georg Jahn (Technische Universität Chemnitz)

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